Meinungsbeitrag: Keine Angst vorm Neuen Markt

Meinungsbeitrag: Keine Angst vorm Neuen Markt

Dreizehn Jahre nach dem Ende des Neuen Marktes kündigt die Deutsche Börse ein neues Börsensegment für Startups an. Ein immens wichtiger Schritt zur Schließung des Finanzierungskreislaufs für Wachstumsunternehmen in Deutschland. Während sich nahezu alle digitalen Weltmarktführer über die Börse kapitalisiert haben, blieb deutschen Startups dieser Weg weitestgehend versperrt. Den USA ist es gelungen, auch durch regulatorische Maßnahmen, das Börsengeschehen wiederzubeleben. Die positive Folge: Aus der „New Economy“ der USA ist „The Economy“ geworden.

“Aus der „New Economy“ der USA ist „The Economy“ geworden.“

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Deregulierung der Börse? Soweit will und muss in Deutschland niemand gehen. In Wahrheit geht es um das richtige Storytelling. Der Entry Standard als bisheriges Einstiegssegment ist ein Gemischtwarenladen. Was wir stattdessen brauchen ist ein Schaufenster für unsere erfolgreichsten Technologiegründungen. Ein Schaufenster, wie es die NASDAQ bis heute ist.

Wer jetzt trotzdem voller Sorge an den Neuen Markt zurückdenkt, kennt die deutsche Startup-Industrie nicht. Es ist eine neue Generation von Unternehmensgründern herangewachsen, die mit der Dotcom-Zeit nur noch die Turnschuhe gemeinsam hat. Finanziert von erfahrenen Venture Capital Investoren aus den USA agieren die Gründer in einem völlig anderen Marktumfeld. Wir sehen Geschäftsmodelle ein zweites Mal, die vor 16 Jahren schlicht an der Tatsache gescheitert sind, dass Märkte noch nicht vorhanden waren.

Nein, Kleinanleger stehen diesmal nicht im Fokus. Diese gibt es an deutschen Börsen ohnehin schon lange nicht mehr. Den Startups geht es um das Kapital von institutionellen Investoren. Jenen Fondsgesellschaften, die unter der Niedrigzinsphase leiden und dennoch nicht in Startups investieren dürfen. In einem börsenregulierten Markt können sie das.

Drei Jahre brauchte die Deutsche Börse zur Entscheidung. Man hat sich mit dem neuen Segment schwer getan. Dabei war nie eine grundlegende Abwehrhaltung zu spüren, sondern vielmehr die Suche nach der richtigen Konstruktion und dem richtigen Timing. Mit dem Venture Network gründete man zunächst eine vorbörsliche Startup-Plattform. In die 81 Startups auf dieser Plattform flossen im letzten Jahr eine Milliarde Euro.

In diesen drei Jahren haben mehr als 100 US-Startups den Gang aufs Börsenparkett geschafft haben. Und dennoch kommt der Schritt der Deutschen Börse nicht zu spät. Fest steht: Wenn wir neue Weltmarktführer aus Deutschland hervorbringen wollen, dann muss der Börsengang zum Normalfall werden. Ein neuer Neuer Markt ist kein Grund für Anlegerschützer auf die Barrikaden zu gehen, sondern notwendig, um unsere Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Handelsblatt publiziert.