Kolumne: „Die Rückkehr des Neuen Marktes“

Kolumne: „Die Rückkehr des Neuen Marktes“

Mit dieser Headline eröffnete das Handelsblatt im Sommer 2013 die öffentliche Debatte um ein Börsensegment für Startups. Bundeswirtschaftsminister Rösler hatte entsprechende Pläne öffentlich gemacht. Die Debatte läuft – typisch deutsch – bis heute. Wir debattieren darüber, was beim Neuen Markt seinerzeit alles schief gelaufen ist und ob sich die Geschichte wiederholen könnte. Wir debattieren über die Rolle von Börsengängen für das Startup-Ökosystem und darüber, ob wir überhaupt ausreichend börsenreife Technologieunternehmen in Deutschland haben. Wir wissen, dass praktisch sämtliche Weltmarktführer in der Digitalen Wirtschaft die Börse als Finanzierungsquelle genutzt haben. Trotzdem debattieren wir seit mittlerweile zwei Jahren. Zwei Jahre, in denen alleine in den USA mehr als 50 Tech-IPOs stattgefunden haben.

Im Dezember versammelte Bundeswirtschaftsminister Gabriel Vertreter von Banken, Investoren, Verbänden und Startups zum Roundtable zum Thema „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland“. Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen erschien ebenso zur Diskussion wie BMW-Aktionärin Susanne Klatten, der ehemalige SAP Finanzvorstand Dr. Werner Brand und Neuer Markt Veteran und Intershop Gründer Stephan Schambach.

Ende Juni hat der Roundtable dem Bundeswirtschaftsminister 25 Empfehlungen übergeben. Die Empfehlungen reichen von kommunikativen Maßnahmen über die Schaffung eines spezifischen Wachstumsindex bis hin zum Abbau regulatorischer Hindernisse für die Aktienanlage von Versicherungsunternehmen. Auch die Übertragung des US-amerikanischen JOBS-ACT auf Deutschland und die steuerliche Privilegierung von Wagniskapital soll geprüft werden.

Die Empfehlungen fußen auf einer nüchternen Bestandsaufnahme: Die Börse spielt in Deutschland, in der Wachstumsfinanzierung von Startups kaum eine Rolle. Mit der Börse fehlt Deutschland zudem ein wesentlicher Exit-Kanal, was zuletzt auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive problematisch ist. In der Frühphase häufig mit öffentlichen Mitteln finanzierten Startups werden ins Ausland verkauft. „Der fehlende bzw. unzureichend wahrgenommene Baustein „Börse“ ist daher eine entscheidende Lücke im bestehenden „Ökosystem“ der deutschen Unternehmensfinanzierung“ schreiben die Experten.

Die meisten Hausaufgaben aus dem Roundtable wurden der Politik aufgetragen. Aber auch die Deutsche Börse findet konkrete Handlungsaufforderungen in dem Bericht. Nachdem sie mit dem Launch des Deutsche Börse Venture Network den ersten Schritt in Richtung „Markt2.0“ gegangen ist, will sie sich mit dem nächsten Schritt keine weiteren zwei Jahre Zeit lassen.

“Aus der New Economy der USA ist The Economy geworden.“

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Den USA ist es gelungen, auch durch regulatorische Maßnahmen, das Börsengeschehen während der Finanz- und Bankenkrise wiederzubeleben. Die positive Folge: Aus der New Economy der USA ist the Economy geworden. Wenn wir erleben wollen, wie aus deutschen Startups Weltmarktführer werden, dann müssen wir jetzt unsere Hausaufgaben machen. Nicht in zwei Jahren.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Rahmen meiner Kolumne in Berlin Valley News publiziert.