Was ist ein Startup?

Was ist ein Startup?

Fast täglich erkläre ich im Rahmen meiner Vorstandstätigkeit im Startup-Verband was ein Startup ist. Dabei stelle ich fest, dass meine Gesprächspartner häufig ein unscharfes oder falsches Bild von einem Startup haben. Die häufigste Fehlannahme ist, dass jede Unternehmensgründung ein Startup ist. Eine Fehlannahme, die häufig auch von Medien und Veranstaltern unterstützt wird. „Startup“ klingt einfach besser als „Existenzgründer“, was offensichtlich viele dazu verleitet, beide Begrifft äquivalent zu verwenden. In den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv mit der Definition von Startups beschäftigt. So ist die Definition Bestandteil der Satzung des Verbandes und Grundlage für die jährlich erscheinende Studie „Deutscher Startup Monitor“. Dabei war und ist die Startup-Definition des US-amerikanischen Unternehmers und Autors Steve Blank immer mein Favorit:

„a startup is an organization formed to search for a repeatable and scalable business model.“ – Steve Blank

Übersetzt also soviel wie „Ein Startup ist eine neu geschaffene Organisationen auf der Suche nach einem wiederhol- und skalierbaren Geschäftsmodell“. Dem Deutschen Startup Monitor liegt daraus abgeleitet folgende Definition zu Grunde: „Startups sind durch 3 Merkmale definiert:

  1. Das Alter! Startups sind jünger als 10 Jahre.
  2. Die Innovationskraft! Startups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ.
  3. Das Wachstum! Startups haben (streben) ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (an).“

Besprechen wir die drei Kriterien:

1. Das Unternehmensalter

Beim Deutschen Startup Monitor sind wir an dieser Stelle sehr großzügig, auch weil diese Studie auch die Langzeitentwicklung von Startup-Unternehmen aufzeigen soll. Der Startup-Verband zieht die Grenze bereits nach fünf Jahren: „Typischerweise sind Startups nicht älter als fünf Jahre“ heißt es dort in den Statuten. Während diese Altersgrenze bei Unternehmen aus der Digitalen Wirtschaft konsequent eingehalten wird, gibt es einige deutlich ältere High-Tech-Unternehmen im Verband. Wenn ein Biotechnologie-Unternehmen nach acht Jahren immer noch forscht, dann kann man noch von einem Startup sprechen. Und auch deshalb betrachtet der Deutsche Startup Monitor die ersten 10 Unternehmensjahre.

2. Die Innovationskraft

Die Innovationskraft ist ein sehr subjektives Kriterium. Technologische Innovationen sind leicht zu erkennen. Aber wann ist ein Geschäftsmodell innovativ? Personenbeförderung mit Taxi und Limousine ist ein alter Hut! Sind UBER und MyTaxi dennoch innovativ? Online-Shopping existiert seit den 90er Jahren. Kann Zalando da überhaupt noch innovativ sein? Die einzelne Pizzeria ist sicher kein Startup! Gilt das auch für die Restaurantkette Vapiano? Darüber kann man lange und intensiv diskutieren, weshalb dieses Kriterium für mich nachrangig ist. Innovative Geschäftsmodelle lassen sich an dem dritten Kriterium erkennen, meinem Favoriten:

3. Das Wachstum

Das Unternehmenswachstum ist für mich das stärkste Kriterium. Alle Startups haben gemein, dass sie ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum haben oder es zumindest anstreben. Was ist überdurchschnittlich? Auch dazu liefert der Deutsche Startup Monitor Antworten. Laut KfW-Gründungsmonitor, der jährlich Zahlen zu allen Gründungen in Deutschland dokumentiert, beschäftigen neu gegründete Unternehmen, die nicht älter als ein Jahr sind, im Schnitt 0,8 Mitarbeiter. Startups hingegen beschäftigen in ihrem ersten Lebensjahr durchschnittlich bereits 3,5 Mitarbeiter, nach zwei Jahren sind es sogar schon 14,5 Mitarbeiter. Damit einher geht natürlich auch ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum, oder zumindest die Absicht, dieses zu erreichen.

 

Abschließend gibt es im Vergleich der wissenschaftlichen Untersuchungen weitere Merkmale, bei denen sich Startup-Gründungen von Existenzgründungen unterscheiden. So sind Gründer von Startups überdurchschnittlich gut ausgebildet. Dies zeigt der Vergleich zwischen Startup Monitor und KfW-Gründungsmonitor. Demnach haben 80,9% der Startup-Gründer ein Studium an einer Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie absolviert. Unter allen Gründern in Deutschland trifft dies nur auf 29% zu. Und auch an anderer Stelle zeugen beide Studien ein entgegengesetztes Ergebnis. Während 77% der Startup-Gründungen in Team erfolgen, waren es im KfW-Gründungsmonitor lediglich 23,6%.